In memoriam Kurt-Victor Selge

Prof. Dr. Kurt-Victor Selge, von 2005 bis 2017 Erster Vorsitzender der WFG, starb am 5. April 2022 in Berlin. 1933 In Bremen als Sohn eines Pastors geboren, wuchs er in Hamburg auf. Er studierte zunächst Geschichte, Philosophie und Germanistik in Hamburg, wechselte dann aber zur Theologie nach Heidelberg. Nach Promotion und Habilitation sowie Lehrtätigkeiten an verschiedenen Universitäten wurde er 1977 ordentlicher Professor für Kirchengeschichte an der Kirchlichen Hochschule Berlin, die nach der Wiedervereinigung Teil der Theologischen Fakultät der Humboldt-Universität wurde. Dort lehrte er bis zu seiner Emeritierung 2001. Victor Selge war 1993 auch Gründungsmitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften.

In den 12 Jahren seiner Amtszeit hat Selge die Arbeit der Gesellschaft entscheidend beeinflusst und weiterentwickelt. Es kam zu einer sich intensivierenden Zusammenarbeit mit den Berliner Philharmonikern und den Furtwängler-Gesellschaften in Frankreich und Japan. Victor Selge war ein homme de lettre, zu dessen besonderen Gaben es gehörte, einem breiten Publikum die Interpretationen Wilhelm Furtwänglers, den er selbst noch als Jüngling erlebt hatte, nahezubringen. Für die Tonträgerproduktionen der WFG verfasste er viele tiefgründige Beiträge. Auch nach seinem Ausscheiden aus dem Vorstand nahm Selge weiterhin regen Anteil an der Arbeit der WFG, bis er sich aus gesundheitlichen Gründen immer mehr zurückziehen musste.

"The complete Wilhelm Furtwängler on record"

Warner Classics veröffentlichte nach eigenen Angaben "Furtwänglers gesamte Live- und Studioaufnahmen" in einer umfangreichen Edition auf 55 CDs. "Es ist nicht nur die erste Sammlung, die Furtwänglers gesamten Katalog an Studioaufnahmen vereint, sondern auch alle Live-Aufnahmen umfasst, die er im Hinblick auf eine kommerzielle Veröffentlichung gemacht hat" (Pressetext). Umfangreiche Recherchen, bei denen Experten der Furtwängler-Gesellschaften in Frankreich, Deutschland und Japan beteiligt waren, haben neue Quellen und neuaufgefundenes Material erschlossen - zum Beispiel bisher unveröffentlichte Aufnahmen, die in Wien und Kopenhagen entstanden. Jede Aufnahme wurde vollständig und sorgfältig in High Definition remastered. Das Booklet bietet zwei umfangreiche Beiträge sowie eine Reihe von (zum Teil kaum bekannten) Furtwängler-Fotos. Zwei ausführliche Besprechungen finden Sie hier:
MusicWeb International
Klangrede - für Klassikliebhaber

Fund-Stück #3

FonoForum_1

Die Musikzeitschrift FonoForum würdigte Wilhelm Furtwängler in Heft 3/1999 in mehreren Beiträgen. Die Texte haben auch 22 Jahre später nichts an Bedeutung verloren. Wir freuen uns, sie unseren Mitgliedern zugänglich machen zu können und danken der REINER H. NITSCHKE Verlags-GmbH für die Genehmigung zur Veröffentlichung FonoForum.


FonoForum_2

Neue CDs vom Wilhelm Furtwängler Centre of Japan

Seit 2004 beschäftigt sich das Wilhelm Furtwängler Centre of Japan ("WFCJ") mit der Herausgabe aller 78rpm-Aufnahmen Wilhelm Furtwänglers auf CD als "Hiyama Collection". Diese Edition kam dadurch in Gang, dass Kosuke Hiyama, einer der bedeutendsten Furtwängler-Forscher und Berater des WFCJ, dem Zentrum seine Schellack- und Vinyl-Sammlungen schenkte. Die Überspielungen wurden mit den fortschrittlichsten Technologien und den Kenntnissen und Erfahrungen ausgeführt, welche die Mitarbeiter des Zentrums im Laufe der Jahre erworben haben.

Die jüngsten Titel sind bereits die Nummern 21 und 22 der Serie:


WFFC2004_hym

WFFC2004-HYM enthält die gleichen Aufführungen wie WFFC1403-HYM, Beethovens Symphonie Nr. 7 und "Coriolan"-Ouvertüre. Die originalen 78rpms wurden seinerzeit falschen Tonhöhe von A=454~455 hergestellt. Sie wurde nun auf A=443 korrigiert, die Tonhöhe, die nach dem Dafürhalten der Herausgeber zum Zeitpunkt der Aufnahme 1950 gegolten haben dürfte.


WFFC2005_hym

WFFC2005-HYM enthält die gleichen Aufführungen wie in der WFFC1404-HYM, Tschaikowskys Symphonie Nr. 6 "Pathétique" und Ausschnitte aus der Serenade für Streicher. Im Fall der "Pathétique" wurde eine australische Ausgabe in hervorragender Qualität übertragen. Die Serenaden-Auszüge stammen von 45RPM LPs in makelloser Qualität.


Mitglieder der WFG, die an diesen Veröffentlichungen interessiert sind, wenden sich bitte direkt an die WFCJ: info@furt-centre.com zu Händen des Präsidenten Masayuki Nakamura.

Fund-Stück #2

Alfred Brendel über Wilhelm Furtwängler

Alfred Brendel (Jahrgang 1931) ist nicht nur ein Ausnahmekünstler als Pianist, sondern auch ein Schriftsteller von Rang. Brendel hat 1979 zum 25. Todestag von Wilhelm Furtwängler einen Essay verfasst, der lapidar mit "Furtwängler" betitelt ist. Wir veröffentlichen diesen Text, der zunächst auf Englisch, dann auf Deutsch erschien und danken dem Künstler für die Erlaubnis, diese Furtwängler-Würdigung unseren Mitgliedern zugänglich zu machen.

Die deutsche oder originale englische Version zum Download.

Fund-Stück #1

Zu Beginn veröffentlichen wir einen sehr grundsätzlichen Text von Roberto Menno Barreto: Wilhelm Furtwängler - Prophet in einem Zeitalter der Auflösung.

Der Brasilianer Roberto Menna Barreto (1935 - 2015), Jurist, Werbefachmann, Journalist, Transaktionsanalytiker und außerdem ein großer Musikfreund und Verehrer Wilhelm Furtwänglers. Barreto war seinerzeit das einzige lateinamerikanische Mitglied der Wilhelm-Furtwängler-Gesellschaft. In Vorträgen, Veranstaltungen und Aufsätzen hat er sich mit musikalischen Fragen befasst. Sein Essay über Furtwängler entstand 1982 anlässlich des 100-jährigen Bestehens der Berliner Philharmoniker. Er wurde in Form einer kleinen Broschüre mit Förderung der Deutschen Lufthansa gedruckt und verbreitet.

Die deutsche oder originale portugiesische Version (2.6 Mb) zum Download.